Dispo: der teuerste Kredit, den Sie schon haben
Zwischen 9 und 13 % verlangen deutsche Banken für die Überziehung des Girokontos, einzelne mehr. Wer 2.000 € dauerhaft im Minus steht, zahlt bei 11 % rund 220 € im Jahr — für Geld, das man nie bewusst geliehen hat.
Der Dispo ist bequem und deshalb gefährlich. Er braucht keinen Antrag, keine Unterschrift und keine Entscheidung. Genau deswegen bleibt er oft jahrelang bestehen.
Was die Überziehung kostet
| Betrag | 9 % | 11 % | 13 % |
|---|---|---|---|
| 500 € | 45 € | 55 € | 65 € |
| 1.000 € | 90 € | 110 € | 130 € |
| 2.000 € | 180 € | 220 € | 260 € |
| 5.000 € | 450 € | 550 € | 650 € |
Abgerechnet wird meist quartalsweise und taggenau auf den tatsächlich in Anspruch genommenen Betrag.
Und darüber wird es noch teurer
Überziehen Sie den eingeräumten Dispo, greift der Überziehungszins — häufig noch einmal fünf Prozentpunkte darüber. Manche Banken verlangen zusätzlich eine Gebühr je Buchung, die zurückgewiesen wird.
Seit 2018 muss die Bank Ihnen ein Beratungsangebot machen, wenn Sie über längere Zeit dauerhaft und erheblich im Minus stehen. Nehmen Sie es an, auch wenn es unangenehm ist. Die Bank hat kein Interesse an einem Kontoabbruch und bietet in aller Regel eine Umschuldung an.
Der Ratenkredit ist fast immer günstiger
Der Zinsvorteil ist die eine Hälfte. Die andere ist die feste Rate: Ein Ratenkredit hat ein Ende, ein Dispo nicht. Wer nur den Dispo bedient, tilgt oft jahrelang nichts. Konditionen vergleichen Sie im Kredit-Rechner.
| Dispo 11 % | Ratenkredit 6 % | |
|---|---|---|
| Zinsen gesamt | ca. 660 € | ca. 190 € |
| Monatliche Belastung | unbestimmt | 133 € |
| Schuldenfrei nach | unbestimmt | 24 Monaten |
Rauskommen, in dieser Reihenfolge
- Aktuellen Zinssatz nachsehen. Er steht im Preis- und Leistungsverzeichnis und auf der Website — seit 2016 muss ihn jede Bank dort ausweisen. Viele kennen ihre eigene Zahl nicht.
- Umschulden auf einen Ratenkredit, wenn der Dispo dauerhaft in Anspruch genommen wird.
- Dispolimit anschließend senken, sonst füllt sich das Konto wieder.
- Wenn ein Bankwechsel im Raum steht: Beim neuen Institut ist der Dispozins oft mehrere Prozentpunkte niedriger, und das Girokonto lässt sich unabhängig vom Kredit wechseln.
Wofür der Dispo gedacht ist
Für ein paar Tage bis zum Gehaltseingang. Genau dafür ist er sinnvoll: Er kostet taggenau, es fällt keine Grundgebühr an, und die Alternative — eine geplatzte Lastschrift — kostet mehr.
Als Dauerzustand ist er das Gegenteil. Die Faustregel: Wer den Dispo drei Monate hintereinander nicht ausgleicht, hat kein Liquiditätsproblem mehr, sondern einen Kredit ohne Tilgungsplan.