ETF-Sparplan: kein Zins, aber ein Erwartungswert
Ein ETF verzinst nichts. Er bildet einen Index ab, und dessen Wert schwankt — mal zweistellig nach oben, mal zweistellig nach unten. Wer mit 7 % rechnet, rechnet mit einem historischen Durchschnitt, nicht mit einer Zusage.
Über lange Zeiträume war dieser Durchschnitt bei breit gestreuten Aktienindizes bemerkenswert stabil. Über kurze nicht. Das ist der ganze Unterschied zu einem Sparbuch, und er entscheidet, für welches Geld ein ETF-Sparplan taugt.
200 Euro im Monat, drei Annahmen
| Laufzeit | Eingezahlt | bei 5 % | bei 7 % | bei 9 % |
|---|---|---|---|---|
| 10 Jahre | 24.000 € | 31.056 € | 34.618 € | 38.703 € |
| 20 Jahre | 48.000 € | 82.207 € | 104.185 € | 133.607 € |
| 30 Jahre | 72.000 € | 166.452 € | 244.692 € | 366.148 € |
Vor Kosten und Steuern. Die Spannweite zwischen 5 % und 9 % zeigt, wie wenig belastbar solche Hochrechnungen im Einzelfall sind — und wie viel dennoch von der Laufzeit abhängt.
Kosten sind das Einzige, was Sie sicher beeinflussen
Die Rendite können Sie nicht steuern, die Kosten schon. Ein breiter Welt-ETF kostet heute zwischen 0,07 % und 0,25 % im Jahr (TER). Ein aktiv gemanagter Fonds mit ähnlicher Ausrichtung liegt oft bei 1,5 % plus Ausgabeaufschlag.
Dieser Unterschied von rund 1,4 Prozentpunkten kostet bei 200 € monatlich über dreißig Jahre einen Betrag im Bereich von 50.000 € Endkapital. Es gibt in der ganzen Geldanlage wenige Stellschrauben mit dieser Hebelwirkung.
Achten Sie zusätzlich auf die Sparplangebühr des Brokers. Viele Anbieter führen Sparplanausführungen kostenlos aus; 1,50 € je Ausführung sind bei einer 50-Euro-Rate schon 3 % Kosten.
Thesaurierend oder ausschüttend
Thesaurierende ETFs legen Dividenden automatisch wieder an. Das ist bequem und in der Ansparphase meist sinnvoll.
Ausschüttende ETFs zahlen aus. Der Vorteil: Die Ausschüttungen füllen Ihren Sparerpauschbetrag von 1.000 € Jahr für Jahr, ohne dass Sie etwas verkaufen müssen. Bei thesaurierenden Fonds übernimmt das die Vorabpauschale, allerdings in geringerer Höhe.
Praktische Antwort für die meisten: ein ausschüttender ETF, solange die Ausschüttungen unter dem Pauschbetrag bleiben, danach thesaurierend. Wer es einfach will, nimmt thesaurierend und nimmt den kleinen Nachteil in Kauf.
Steuern in Kürze
- 25 % Abgeltungsteuer plus Soli, zusammen 26,375 %, plus gegebenenfalls Kirchensteuer.
- Teilfreistellung: Bei Aktienfonds mit mindestens 51 % Aktienquote bleiben 30 % der Erträge steuerfrei. Effektiv sinkt die Belastung damit auf rund 18,5 %.
- Vorabpauschale: eine jährlich vorweg besteuerte Mindesterträgnisgröße bei thesaurierenden Fonds. Sie wird beim späteren Verkauf angerechnet, sorgt aber dafür, dass genug Geld auf dem Verrechnungskonto liegen muss.
- Sparerpauschbetrag 1.000 € je Person — Freistellungsauftrag nicht vergessen.
Die zwei Regeln, an denen es scheitert
Erstens: nicht verkaufen, wenn es fällt. Ein Sparplan, der einen Crash durchhält, kauft in dieser Zeit besonders günstig ein. Ein Sparplan, der im Tief gestoppt wird, realisiert den Verlust und verpasst die Erholung. Das ist der häufigste und teuerste Fehler von Privatanlegern.
Zweitens: nur Geld anlegen, das mindestens zehn Jahre liegen bleiben kann. Wer nach drei Jahren an das Geld muss, hat keine Anlage, sondern eine Wette darauf, dass gerade kein schlechtes Jahr ist. Für kürzere Horizonte: Festgeld oder Tagesgeld.