Gewerbe anmelden: 20 bis 65 Euro, eine Stunde Aufwand
Der eigentliche Akt ist unspektakulär. Formular beim Gewerbeamt, Ausweis vorlegen, Gebühr zahlen — je nach Gemeinde 20 bis 65 €. Danach informiert das Amt Finanzamt, IHK oder Handwerkskammer und die Berufsgenossenschaft von selbst.
Die Frage davor ist wichtiger: Brauchen Sie überhaupt eine? Freiberufler nicht. Und die Abgrenzung entscheidet über Gewerbesteuer, Kammerbeitrag und Buchführungspflichten.
Gewerbe oder Freiberuf
Freiberuflich sind die in § 18 EStG genannten Tätigkeiten: Ärzte, Anwälte, Steuerberater, Architekten, Ingenieure, Journalisten, Dolmetscher, außerdem wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende und erzieherische Arbeit.
Alles andere ist Gewerbe. Die Grenze ist nicht immer offensichtlich — ein Programmierer kann je nach Ausbildung und Tätigkeit auf beiden Seiten landen, ein Grafikdesigner ebenfalls. Im Zweifel entscheidet das Finanzamt, und zwar rückwirkend.
| Freiberufler | Gewerbetreibender | |
|---|---|---|
| Gewerbeanmeldung | nein | ja |
| Gewerbesteuer | nein | ab 24.500 € Gewerbeertrag |
| Kammer | berufsständische Kammer | IHK oder HWK |
| Buchführung | immer EÜR möglich | Bilanz ab bestimmten Größen |
Was die Gewerbesteuer wirklich kostet
Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften gilt ein Freibetrag von 24.500 € Gewerbeertrag. Darunter zahlen Sie nichts.
Darüber wird der übersteigende Betrag mit der Steuermesszahl von 3,5 % multipliziert und das Ergebnis mit dem Hebesatz Ihrer Gemeinde. Der reicht von 200 % in einigen Gemeinden bis über 500 % in Großstädten.
| Hebesatz | Gewerbesteuer | Nach Anrechnung effektiv |
|---|---|---|
| 300 % | 2.678 € | 0 € |
| 400 % | 3.570 € | 179 € |
| 490 % | 4.373 € | 982 € |
Bei Einzelunternehmen wird die Gewerbesteuer nach § 35 EStG bis zum 3,8-fachen des Messbetrags auf die Einkommensteuer angerechnet. Bis etwa 380 % Hebesatz gleicht sich das vollständig aus — die Gewerbesteuer kostet dort effektiv nichts.
Was nach der Anmeldung kommt
- Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung vom Finanzamt, abzugeben über ELSTER. Hier entscheiden Sie über Kleinunternehmerregelung und Voranmeldungsrhythmus — lesen Sie ihn in Ruhe, die Angaben wirken lange nach.
- Die Steuernummer, meist zwei bis sechs Wochen später. Vorher können Sie keine ordnungsgemäßen Rechnungen schreiben.
- Post von IHK oder Handwerkskammer. Die Mitgliedschaft ist Pflicht; kleine Gewerbe mit geringem Ertrag sind vom Grundbeitrag befreit oder zahlen nur wenig.
- Die Berufsgenossenschaft, ebenfalls Pflichtmitgliedschaft, auch ohne Angestellte.
Erlaubnispflichtige Gewerbe
Manche Tätigkeiten brauchen mehr als das Formular: Gastronomie mit Alkohol, Bewachung, Versicherungs- und Immobilienvermittlung, Personenbeförderung, Reisegewerbe, Arbeitnehmerüberlassung. Und im Handwerk hängt es an der Anlage A der Handwerksordnung — zulassungspflichtige Handwerke verlangen einen Meistertitel oder eine Ausnahmebewilligung.
Klären Sie das vor der Anmeldung. Ein Gewerbe zu betreiben, das eine Erlaubnis gebraucht hätte, ist eine Ordnungswidrigkeit und kann teuer werden.
Und die Zahlen dahinter
Was am Ende übrig bleibt, hängt weniger an der Anmeldegebühr als an der Kalkulation. Den passenden Preis rechnet der Stundensatz-Rechner, die Umsatzsteuerseite der Kleinunternehmer-Rechner, und was das Finanzamt vom Gewinn nimmt, der Steuerrechner.