Rechtsschutz: sinnvoll, aber nicht überall
Ein durchschnittlicher Zivilprozess in erster Instanz kostet bei 5.000 € Streitwert rund 3.000 € an Gerichts- und Anwaltskosten — und in Deutschland zahlt der Verlierer alles. Genau davor schützt eine Rechtsschutzversicherung.
Sie kostet je nach Bausteinen 150 bis 400 € im Jahr. Was sie nicht abdeckt, ist allerdings mindestens so wichtig wie das, was sie abdeckt.
Die Bausteine
Die Kombination Privat, Beruf und Verkehr ist der übliche Zuschnitt. Wohnen lohnt vor allem für Mieter in angespannten Märkten; als Vermieter brauchen Sie einen eigenen, deutlich teureren Tarif.
| Baustein | Wofür | Beitrag im Jahr |
|---|---|---|
| Privat | Kauf, Nachbarschaft, Schadensersatz, Sozialrecht | 80 – 150 € |
| Beruf | Kündigung, Abmahnung, Zeugnis, Lohn | 50 – 100 € |
| Verkehr | Unfall, Bußgeld, Führerschein | 50 – 90 € |
| Wohnen | Mietstreit, Nebenkosten, Kündigung | 50 – 120 € |
Was nicht versichert ist
- Familien- und Erbrecht. Es gibt in der Regel nur eine Erstberatung, keinen Prozesskostenschutz — Scheidung und Erbstreit sind damit außen vor.
- Baurecht rund um den eigenen Neubau oder Umbau. Ausgerechnet der Bereich mit den höchsten Streitwerten.
- Vorsätzlich begangene Straftaten. Bei fahrlässigen Delikten wird zunächst geleistet und bei Verurteilung wegen Vorsatzes zurückgefordert.
- Streitigkeiten, die vor Vertragsbeginn oder in der Wartezeit entstanden sind.
Die Wartezeit ist der Grund, früh abzuschließen
In den meisten Bereichen gelten drei Monate Wartezeit. Wer die Abmahnung schon im Briefkasten hat und dann eine Versicherung abschließt, bekommt nichts.
Ohne Wartezeit sind meist nur Verkehrsunfälle und Schadensersatzansprüche aus unerlaubter Handlung. Der Rest — Arbeitsrecht, Mietrecht, Vertragsrecht — ist gesperrt.
Deshalb ist Rechtsschutz eine Versicherung, die man abschließt, wenn man sie nicht braucht. Anders funktioniert sie nicht.
Worauf im Vertrag zu achten ist
- Selbstbeteiligung. 150 bis 300 € senken den Beitrag um 20 bis 30 % und sind in der Größenordnung, die man selbst tragen kann.
- Freie Anwaltswahl. Gesetzlich garantiert, aber manche Tarife belohnen die Wahl eines Partneranwalts mit einem Nachlass auf die Selbstbeteiligung.
- Keine Deckelung der Versicherungssumme unter 300.000 €.
- Mediation und außergerichtliche Einigung sollten mitversichert sein — die meisten Fälle enden ohnehin dort.
- Kein Kündigungsrecht des Versicherers nach dem ersten Schadensfall. Manche Tarife sehen es vor, und es trifft Sie genau dann, wenn Sie gerade gezeigt haben, dass Sie es brauchen.
Wann sie sich wirklich lohnt
Für Arbeitnehmer mit einem Job, in dem Kündigungen vorkommen. Für Mieter in Städten mit angespanntem Markt. Für Vielfahrer. In diesen drei Fällen ist das Verhältnis von Beitrag zu Risiko eindeutig.
Weniger eindeutig ist es bei jemandem mit sicherer Stelle, Wohneigentum und wenigen Kilometern im Jahr. Dort können 300 € Jahresbeitrag über zwanzig Jahre auch als Rücklage funktionieren — mit dem Unterschied, dass ein einzelner verlorener Prozess sie aufbraucht.
Ein Sonderfall: Bußgeldsachen mit drohendem Fahrverbot. Dort rechnet sich der Verkehrsbaustein oft schon beim ersten Fall: Bußgeldrechner.