Welche Versicherungen Sie wirklich brauchen
Die Frage ist nicht, wie wahrscheinlich ein Schaden ist, sondern ob Sie ihn selbst tragen könnten. Ein kaputtes Handy: ja. Ein Personenschaden mit lebenslanger Rentenzahlung: nein.
Nach dieser Regel bleiben erstaunlich wenige Verträge übrig — und die meisten Haushalte haben zu viele davon und ausgerechnet die wichtigsten nicht.
Die drei, an denen kein Weg vorbeiführt
Die Privathaftpflicht ist der eindeutigste Fall in der ganzen Versicherungswelt: geringer Beitrag, existenzbedrohendes Risiko. Wer einen Radfahrer übersieht und einen dauerhaften Pflegefall verursacht, haftet mit allem, was er hat und in Zukunft verdienen wird.
| Versicherung | Wogegen | Kosten im Jahr |
|---|---|---|
| Privathaftpflicht | Schäden, die Sie anderen zufügen — bis in Millionenhöhe | 50 – 100 € |
| Berufsunfähigkeit | Verlust der Arbeitskraft | 600 – 1.800 € |
| Krankenversicherung | gesetzlich Pflicht | je nach Einkommen |
Sinnvoll, je nach Lebenslage
- Hausrat, wenn eine Neuanschaffung der gesamten Einrichtung Sie finanziell treffen würde.
- Risikolebensversicherung, sobald jemand von Ihrem Einkommen abhängt — Kinder, Partner, ein gemeinsames Darlehen.
- Wohngebäudeversicherung: für Eigentümer nicht verhandelbar, meist auch von der Bank verlangt.
- Kfz-Haftpflicht: gesetzlich vorgeschrieben. Vollkasko nur, solange der Wagen einen nennenswerten Wert hat.
- Rechtsschutz und Auslandskrankenversicherung: nützlich, aber keine Existenzfrage.
Was Sie fast sicher nicht brauchen
Handy-, Brillen-, Reisegepäck- und Garantieverlängerungsversicherungen decken Schäden ab, die Sie aus der Portokasse zahlen können. Der Beitrag liegt regelmäßig in der Größenordnung des versicherten Werts, verteilt auf ein paar Jahre.
Sterbegeldversicherungen sind teuer und rentieren sich fast nie gegenüber einem Sparplan. Kapitallebensversicherungen mischen Absicherung und Anlage und machen beides schlechter, als es getrennt ginge — Risikoleben plus ETF-Sparplan ist in aller Regel die bessere Kombination.
Und die Restschuldversicherung beim Ratenkredit: freiwillig, teuer, und häufig mitfinanziert, also selbst verzinst.
Zwei Stellschrauben, die überall wirken
- Selbstbeteiligung erhöhen. Bei den meisten Verträgen senkt eine Selbstbeteiligung von 150 bis 300 € den Beitrag um 20 bis 30 %. Sie versichern damit genau das, was Sie nicht selbst tragen können.
- Jährlich statt monatlich zahlen. Der Ratenzuschlag beträgt oft 3 bis 5 % — ein Zinssatz, den Sie mit keiner Anlage erwirtschaften.
Einmal im Jahr durchgehen
Kündigungsfristen liegen bei den meisten Verträgen bei drei Monaten zum Ende der Laufzeit, häufig also der 30. September für ein Kalenderjahr. Nach einer Beitragserhöhung besteht zusätzlich ein Sonderkündigungsrecht innerhalb eines Monats.
Prüfen Sie dabei weniger den Preis als die Deckungssumme. Eine Privathaftpflicht mit 3 Millionen Euro Deckung ist für den Fall gedacht, der Sie ruiniert — 10 Millionen kosten kaum mehr und sind heute Standard.